Wer zoomt wen? Wie die Coronavirus-Krise endlich das „Soziale“ in die sozialen Medien bringt

Die Coronavirus-Pandemie hat dazu geführt, dass viele Menschen soziale Medien positiver nutzen, einschließlich Videokonferenzplattformen wie Zoom. Bildnachweis: Shutterstock

Das Plattforming unseres Lebens in Social-Media-Apps wie Facebook, Instagram und Twitter stößt meist auf Kritik. Interaktive Technologien wie Videospiele und soziale Medien, so wird uns gesagt, machen uns unsozial. Als Ergebnis der Bemühungen um soziale Distanzierung als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie definieren soziale Online-Netzwerke und Videokonferenzplattformen wie Zoom neu, was es bedeutet, durch unsere Technologien sozial zu sein.

In einer nicht idealen Situation ist die Konferenzplattform Zoom während der Krise zu einem zentralen Bestandteil des Alltags vieler Menschen geworden. Die Quarantäne hat uns gezwungen, unsere gesellschaftlichen Zusammenkünfte online zu verlegen; Treffpunkte mit Freunden und Familie sind seit einem Monat dank neuer Medien praktisch möglich. Meine Familie hat, wie viele andere auch, dieses Jahr an einem Zoom-Passah-Seder teilgenommen.

Auch Video-Sharing-Apps wie TikTok helfen uns gegen Langeweile. Die Tanzherausforderungen und lippensynchronisierenden Meme der Plattform sorgen für ein Gefühl von Spaß und komischer Erleichterung.

Social-Media-Netzwerke und Konferenzplattformen mögen den Verlust des sozialen Lebens in Krisenzeiten kompensieren, aber vielleicht bekommen wir mehr, als wir erwartet hatten.

Fernarbeit

Das Arbeiten von zu Hause aus und das Homeing während der Arbeit gehören für viele Angestellte zum Alltag: Beruf und Familie verschmelzen.

Vor ein paar Wochen wanderte mein fünfjähriger Sohn während eines Zoom-Meetings in mein Homeoffice. Dieses peinliche Szenario ist vielen von uns bekannt, die aus der Ferne über Zoom oder andere Videokonferenzplattformen arbeiten. Eine Stunde später meldeten sich meine beiden Kinder bei Zoom-Meetings für eine Fernschulung an.

Work-Life-Balance war vor der Krise schon schwer genug. Heute verschmelzen soziale Medien Privatleben und Arbeit. Für Eltern und Betreuer kann die Ausweitung des Büros in den persönlichen Raum ein zusätzlicher Stressfaktor sein. Ohne Trennung sind wir gezwungen, alles auf einmal zu tun.

Die Doppelpflicht von Fürsorge und Arbeit, die Feministinnen als “Doppelschicht” bezeichnen, ist nicht neu. Aber es kann entmutigend sein, den Büroraum ins Haus zu bringen und gleichzeitig die Pflege und die Gesundheitskrise zu managen.

Zoom kann das Arbeitsleben während der Krise ermöglichen. Aber ist das wirklich der beste Weg, unsere sozialen Technologien und Medien zu nutzen? Vielleicht gibt uns diese Situation die Gelegenheit, die Probleme unserer Kultur durch das Prisma der sozialen Technologie anders zu sehen.

Antisoziale Medien?

Die soziale Isolation mag die Art und Weise, wie wir online interagieren, verändert haben, aber Bedenken hinsichtlich sozialer Medien und anderer Cloud-basierter sozialer Interaktionstechnologien und -plattformen sind berechtigt. Wir fürchten nicht nur die asozialen Auswirkungen von Social Media, viele von uns machen sich auch Sorgen über Online-Überwachung, Manipulation und Trolling.

Auch Zoom ist von solchen Sicherheitsängsten nicht ausgenommen. Wie andere Cloud-basierte Technologien ist Zoom nicht immun gegen die Bedrohung durch Data Mining und Überwachung, auch von anderen Plattformen.

Die Nutzung sozialer Technologien als Lebensader während der anhaltenden Krise hilft uns, über die antisozialen Aspekte der Technologie hinaus zu sehen. Wenn wir über die Schnittstelle hinausschauen, sollten wir antisoziales Online-Verhalten weniger als ein Problem der Technologie, sondern als ein Problem mit der breiteren Kultur des neoliberalen Kapitalismus befragen.

Wie alle Medien verstärken Plattformen die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen sie genutzt werden. Da Unternehmensplattformen von unserer Nutzung und unseren Daten profitieren, haben sie alle ein Interesse daran, unsere Aufmerksamkeit und unsere aktive Beteiligung zu behalten. Das macht beispielsweise Data Mining für alle Plattformen unverzichtbar.

Daten sind zu einer unverzichtbaren Ressource für die neue Ökonomie des Kapitalismus des 21. Jahrhunderts geworden. Und Algorithmen sind so konzipiert, dass wir unabhängig von den emotionalen Kosten am Netz bleiben.

Wie kritische Medienwissenschaftler seit Jahren sagen, ist die Ware wahrscheinlich, wenn das Produkt kostenlos ist Sie.

Wissenschaftler verweisen auf „kommunikativen Kapitalismus“ oder „Plattformkapitalismus“, um die schädlichen Aspekte von Plattformen und sozialen Medien zu identifizieren. Plattformen setzen als Teil ihrer Gewinnmodelle auf nutzergenerierte Inhalte und Data Mining.

Wie traditionelle Nachrichtenmedien und kommunikative Technologien besteht auch bei Plattformkonglomerationen die Gefahr, die Informationsfreiheit und die Mediendemokratie einzuschränken. Zoom scheint den Markt für Videokonferenzplattformen bereits in die Enge getrieben zu haben.

Der Kontext der Nutzung sozialer Technologien während der Coronavirus-Krise sollte uns daher zwingen, die Zukunft unserer Medien zu hinterfragen. Werden Plattformen wie Zoom uns helfen, unsere sozialen Beziehungen und das öffentliche Wohl zu verbessern, oder werden sie mehr tun, um die Bedürfnisse der Plattform und des neoliberalen Kapitalismus zu verstärken?

Soziale Medien und öffentliche Kultur

Vor dem Hintergrund der COVID-19-Krise sehen wir, wie wichtig Social-Networking-Plattformen und Online-Kommunikationstechnologien für unser gesellschaftliches Leben geworden sind. Gleichzeitig erweitern und verankern diese Technologien die Arbeit im Haushalt.

Können wir uns soziale Netzwerke und Apps vorstellen, die für das Gemeinwohl entwickelt wurden? Wie könnte es aussehen, wenn wir Plattformen und soziale Medien aus ihrem Unternehmensumfeld entfernen würden? Vielleicht a Sozial Medien, die ihrem Namen alle Ehre machten.

Angesichts der Art und Weise, wie wir soziale Technologien und Plattformen nutzen, um unser soziales Leben während der Krise aufrechtzuerhalten, sollten wir unsere Beziehungen zur Technologie überdenken. Vielleicht machen uns Technologien und soziale Medien doch nicht asozial, und die Ursache des Problems liegt in einer Kultur, die Profit über Menschen macht.


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